Werte Frau Mutter,
Habe soeben erfolgreich den Planeten der Affen eingenommen. Eine ziemlich unblutige Angelegenheit obwohl wir wegen der Zeitdilatation alle wackelig auf den Füssen waren. Ganz schlimm hat es aber Pierre Boulle erwischt. Hat mir doch der Taugenichts mit dem Zweihänder die linke Ohrmuschel abgehackt. Musste den befreundeten Primaten gleich zu russischem Salat verarbeiten, worauf die Geschichte ein wenig ins Stocken geriet. Das Ohr aber blieb weg und in der folgenden Nacht habe ich tatsächlich Mono geträumt. Mutter, Mono. Habe gedacht, ich sei in einem schlechten Film und tatsächlich, es war ein Film. Wie sich bald herausstellen sollte ein unglaublich einprägsamer. Konnte ihn nicht mehr aus der Denkbüchse, geschweige denn aus dem verbleibenden Lauscher, kriegen. In den frühen Morgenstunden hat mir der Gefangene Dr. Cornelius mit Hilfe von Dodge das halb vergammelte Ohr mit einem Stück rostigem Draht als Hörprothese über die klaffende Wunde genäht. Ich musste weinen - vor Schmerz und Freude. Im Kopf nun ein sprudelnder Quell an Geräuschen, Erinnerungen an meinen Traum. Ein Zelluloidstreifen mir um den Augapfel gerollt, als Film in meine schmelzende Hirnrinde projiziert. Weich wie dein Schoss, verehrte Mutter, und sanft wie Paganinis streichende Hand. Ich will nach Hause kommen und Waffeln essen mit dir. Du weißt, die mit Kirschen. Ich hoffe, die Melodie bleibt so lange bei mir.
Dein steter, Alexander der Grosse
(Text: Remo Fohlenbein)